Südwestlich der Serra de Estrela findet
sich auf der Landkarte und auch in Echt die Stadt Coimbra. Wer etwas
auf sich hält, so verrät der Reiseführer (Baedeker, Bibliothek Müllerstrasse),
betreibt an der hiesigen Universität sein Studium.. Schön und vermutlich
auch schlau. Wer aber als Camping- Urlauber etwas auf sich hält, sollte
hier in Coimbra gar nicht erst versuchen, für eine oder mehrere Nächte
seßhaft zu werden. In der Autokarte (ADAC) und im Ort selbst sind
zwar Campingplätze ausgeschildert. Dies kann aber nur aus abgrundtief
böser Absicht oder aber zwecks Befriedigung heißer Rachegefühle geschehen
sein. Denn in Coimbra, einer Stadt auch aus hunderten uralter, sehenswerter
Häuser, einem Aquädukt aus der guten alten Römerzeit und vielen, vielen,
vielen anderen Sehenswürdigkeiten, die der Stadt zu einer garantierten
Erwähnung in jedem Reiseführer verhelfen, gibt es keinen einzigen
verdammten Campingplatz!! Schlecht für alle, die mit der Hoffnung
auf einen solchen und dreissig Kilo Gepäck auf dem Rücken aus dem
Zug steigen. Sie vertrauten einer Touristenlandkarte, die das Pech
hatte, mindestens zwei Jahre zu alt zu sein. Denn damals ungefähr
oder mehrere Jahre davor (fragen Sie die Fifa, den DFB oder sonst
wen) muß der folgenschwere Entschluß gefallen sein, daß auch in Coimbra
diverse Spiele der 2004 in Portugal stattfindenden Fußball EM über
die Bühne gehen. Und weil auch in Coimbra gekickt wird, baut man das
Stadion und die halbe Stadt kräftig aus und um. Die Camper hat man
verjagt, die Überreste des letzten (immer noch in der Stadt ausgeschilderten)
Canpingplatzes liegen an unbekannter Stelle unter einem riesigen Sandhaufen
neben der Stadion- Baustelle verborgen. Denn Camper sind schmutzig,
unrasiert, laut, stinken und haben vor allem kein Geld. Und aus diesen
Gründen länger als einen Tag nichts in Fußball- City Coimbra verloren.
Raus mit Euch, sagen sich die Stadtväter. Ein Grund also, ihnen eher
ein liebes "Leckt mich doch!" entgegen zu schleudern, als
in der einzigen Jugendherberge am Ort pro Nacht und Person
35,- auf den Rezeptionstresen zu packen. Dies hier könnte man dann
noch hinzufügen: "Aquädukte, Castellos, Kreisverkehre und den
ganzen anderen Kram, auf den Ihr Portugiesen so verdammt stolz seid,
finde ich auch in anderen Städten. Hier bei Euch in Coimbra lasse
ich nicht einen einzigen Fremdenverkehrscent!" Und so wird man
dann beim Besuch in einem der zwei Touristenbüros dieser Stadt, die
mangels preiswerter Unterkünfte eigentlich überhaupt keine Touristen
mehr haben dürfte, freundlich in ein 19 Kilometer entfernt liegendes
Gebirgskleinstädtchen namens Penacova hinauskomplimentiert, weil ja
dort die nächsten Campingplätze zum Verweilen einladen. Ironie der
Geschichte: Just diese kleine, nur auf Berghängen an einer Seite des
Rio Mondego erbaute Stadt wurde vom Verfasser in froher Erwartung
der Gastfreundschaft des für ihn zu diesem Zeitpunkt noch reizvollen
Coimbra durchquert. Penacova: klein, häufig verregnet, aber mindestens
tausendmal schöner als Coimbra, die Stadt des Geheimnisvollen Fremdenhasses
gegen alles, was einen Rucksack auf dem Rücken oder ein Zelt im Auto
hat.
Was noch unschön ist:
Der unermüdliche Übers- Land- Fahrer
wird während seiner Reise mehrmals die Fenster seines Wagens schließen
müssen, um Hustenanfällen vorzubeugen. Denn Rauchschwaden ziehen übers
Land. Sie kommen aus Wäldern, Kneipen und Hinterhöfen, wo Altreifen
giftig ihr Leben aushauchen. Ja, die Brandrodung feiert Triumphe in
Portugal. Je nördlicher der Tourist ins Land vordringt, um so häufiger
hält er sich die Nase zu. Wo in unseren Wäldern freiwillige Försterhilfsbrigaden
und rumänische Räuberbanden das Unterholz zum Vorbeugen von Waldbränden
und Tarnen von Unterschlüpfen zusammenräumen, legt man in Portugal
den Daumen ans Feuerzeug, um den ganzen Müll abzufackeln.
Nachteil: der Wind dreht aus Prinzip
in die Richtung des nächstgelegenen Campingplatzes, wo junge Interrail-
Europäer gerade ihre ersten selbst gewaschenen Unterhosen auf die
Leine hängen.
Vorteil:
Plastiktüten, Plastikbecher, Plastikflaschen, Plastikteller, Plastikbesteck,
Plastikmöbel und all der andere, in jedem portigiesischen Wald natürlich
vorkommende Müll löst sich durch Brandrodung in Luft auf. Vielleicht
ist die daraus resultierende Qualität der Atemluft- wenngleich auch
eine billige- Erklärung für den in Portugal recht verbreiteten Kleinwuchs.