Tipps und Tricks

Gibt man öffentlich seine Absicht preis, den hart erarbeiteten Urlaub im Ausland verbringen zu wollen, stehen liebe Freunde und Bekannte umgehend geradezu Schlange, um den Reisefreudigen gratis mit Tipps, Tricks und Ratschlägen zum Zielland, in das sie selbst seit Jahren ein- und ausreisen, zu versorgen. Im Falle von Portugal handelt es sich da um wertvolle Tipps vom Kaliber: "Vorsicht vor den portugiesischen Autofahrern- Portugal hat von allen EU- Ländern

die meisten Verkehrstoten!"- "Vorsicht vor der Kriminalität, in den Innenstädten werden durch die Bank alle Autos, egal welche Marke, aufgebrochen! Also schließ den Wagen am besten gar nicht erst ab, und dann laß auch nichts drin liegen!". Gerade letzterer Tipp läßt sich bei einem Campingurlaub nur sehr schwer, eigentlich überhaupt nicht in die Tat umsetzen. Denn das Auto ist Speisekammer, Kleiderschrank, Safe, Müllcontainer und Transportmittel in einem. Vollgestopft mit Kram, der für jeden sichtbar ist, weil er nicht in den Kofferraum paßt, in dem die Schlafsäcke und die Isomatten liegen.

Um es klar zu sagen: Bestimmt wird in Portugal geklaut. Bestimmt auch mal aus einem Auto. Aber daß ein abgeschlossener PKW Diebe aller Art anzieht wie ein Begrüßungsgeldschalter alle DDR- Einwohner bis zum 31. 12 1989 angezogen hat, ist ein Märchen. Unter Umständen braucht man in Frankfurt/ Main oder Leipzig nicht mal halb so lange wie in Portugal darauf zu warten, daß der Wagen komplett ausgeräumt wird. Auch schließen selbst die Portugiesen in ihren Städten ihre Autos ab- und finden diese später auch abgeschlossen und ohne zerschlagene Scheiben wieder vor. Auch die als Warnungen getarnten Vorurteile dem portugiesischen Autofahrer gegenüber müssen an dieser Stelle entkräftet werden. Gewiß fährt der eine schneller, als er gemäß Ausschilderung sollte, und der andere überholt trotz Gegenverkehr. Aber haben wir diese Probleme nicht auch mitten in Deutschland? Teilweise sogar in unseren schönen verkehrsberuhigten Zonen? Kurz: Sitzt der Portugiese hinterm Steuer, fährt er wie jeder andere Autofahrer der Welt auch. Die einzige, leicht negative Eigenschaft des westiberischen Halbinselbehausers ist die, daß er es auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn vor ihm, egal wo, ein anderes Auto fährt. Ist dies der Fall, wird auch noch das letzte Mikrojoule an Leistung aus dem Motor herausgeholt, um langsam aber trotzdem am Vordermann vorbei ziehen zu können. Und dann hat man ja auch schon wieder seinen Frieden. Übrigens ist Portugal hervorragend ausgeschildert. Man findet dank der vielen Hinweisschilder sogar Campingplätze und Tourismusbüros, die nicht mal der ADAC in seinen Karten verzeichnet hat.