Wie eine
halb verbrannte Scheibe Bauchspeck, deren Ränder sich bereits stark
wellen, so liegt dieses Land auf der Westseite der iberischen Halbinsel
und nimmt einem Großteil der spanischen Bevölkerung den direkten Zugang
zum Atlantik: Portugal. Dort selbst erinnert auch vieles an Spanien:
die Autobahnschilder (ESPANHA 2 km), das Wetter (sonnig, schattig,
windig, heiß, kalt, regnerisch), das Meer (salzig, Atlantik), die
Währung (). Nur die Sprache der Portugiesen, das portugiesisch,
unterscheidet sich vom spanischen Idiom mindestens dadurch, daß es
trotz vieler ähnlicher Vokabeln wie rückwärts gesprochenes Kroatisch
klingt. Auch sagt der Portugiese im Gegensatz zum Spanier nicht "Gracias",
wenn er sich bedankt, sondern "Obrigado". Ganz wichtig zu
wissen, wenn Sie sich im Supermarkt (Intermarche oder Lidl) fürs Wechselgeld
bedanken und schwer Eindruck machen wollen. Wenn sich Frauen auf Portugiesisch
bedanken wollen, sagen sie übrigens, gemäß ihrer weiblichen Person,
Obrigada. Wichtig bei der Aussprache: Sie tun gut daran, auch bei
einem eher schlichten Wort wie "Obrigado" respektive "Obrigada
"das R möglichst exzessiv zu rollen. Wenn sie zum Einstimmen
auf diese Übung vorher im Mietwagen ihr Ohr einem portugiesischen
Radiosender leihen, bekommen sie schnell ein Gefühl für das richtige
Timing des R- Rollens. Dies ist wichtig, denn je besser sie beim "Obrigado"-
sagen das R- rollen, um so mehr Sympathie wird Ihnen der jeweilige
portugiesische Adressat entgegenbringen. Denn das R ist der wichtigste
Konsonant dieser Sprache. In fast jedem Wort kommt das R mindestens
dreimal vor und wird während der Aussprache leidenschaftlich gurgelnd
in die Länge gezogen, wofür besonders die männlichen Portugiesen immer
ausreichend Speichel im Kehlkopf bereit halten. Und wer große Mengen
an Speichel in dicker oder dünnerer Konsistenz benötigt, muß ihn auch
irgendwo herholen. Seien Sie also nicht irritiert, wenn in Ihrer Gegenwart,
zum Beispiel am Nachbartisch im Restaurant, ein Portugiese seinen
Nasenrotz laut nach oben zieht, um ihn dann mit einem robusten, kurzen
Hochdruckgurgeln aus der Luftröhre kommend, im Kehlkopf zu parken.
In Portugal werden Sie dieses Geräusch nicht nur einmal am Tag hören.
Und auch Ihnen wird sich der Eindruck aufdrängen, daß dieses Rumrotzen
eine Art Ersatzsprache, gar ein Ersatzgruß sein könnte, den der Portugiese
dann los wird, wenn er gerade nicht "Bom Dia!" (Guten Morgen)
sagen kann, weil er den Mund voll hat. Trotz dieser für manche Ohren
vielleicht unschönen Marotte soll allerdings hier ausdrücklich darauf
hingewiesen werden, daß der Portugiese sowie die Portugiesin und auch
das heranwachsende Portugieslein freundliche und hochgradig zivilisierte
Menschen sind, die ihren festen Platz in der europäischen Völkergemeinschaft
einnehmen und auch behaupten. Nur daß sie in ihren Autos ständig die
Motoren laufen lassen, kann einem erheblich auf den Geist gehen. Vor
allem dann, wenn sich im Zelt gleich neben dem portugiesischen Auspuff
das Kopfende (blau anlaufend) des Schlaf suchenden Portugalurlaubers
befindet.